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Inhaltsangabe Interview Herbst 2001 - Tischri 5762

Editorial - Herbst 2001
    • Editorial

Rosch Haschanah 5762
    • Die Quellen der Hoffnung

Politik
    • Israel ohne politische Strategie

Interview
    • Pragmatismus und Optimismus
    • Terror und Strategie
    • Der Echte «neue Mittlere Osten»
    • Vollblutaraber !

Judäa – Samaria – Gaza
    • Kfar Adumim

Kunst und Kultur
    • Schätze
    • Mischa Alexandrovich
    • Simeon Solomon ( 1840-1905)

Wissenschaft und Forschung
    • Eine Rakete im Bauch !

Junge Leader
    • Der Chefkoch Avi Steinitz

Litauen
    • Unmögliche Palingenese
    • Neue Blüte oder Überlebenskampf?
    • Die Schule Schalom Aleïchem
    • Spitzenleistungen und Vernichtung
    • Paneriai
    • Ein Zeichen aus dem Jenseits
    • Ein lebendiges Zeugnis
    •  Weder Wilna - noch Wilno - sondern Wilne !
    • Mamme Luschen in Wilne!
    • «Dos is geven unser Glick !»
    • Litauen Quo Vadis ?
    • Litauische Zweideutigkeit
    • Erinnerung in Bildern

Ethik und Judentum
    • Zwischen Vorsicht und Panik

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Terror und Strategie

Von Roland S. Süssmann
Seinen Erfolg, seinen Aufstieg, ja sogar seine Existenz verdankt Israel zu einem grossen Teil aussergewöhnlichen, mutigen und opferbereiten Männern, die sich dafür entschieden haben, ihr Leben dem sagenhaften Abenteuer des jüdischen Staates, seiner Stärke und seiner Unabhängigkeit zu widmen. Zu ihnen gehört auch Generalmajor MOSCHE YA’ALON, stellvertretender Generalstabschef der israelischen Armee, besser bekannt unter seinem Spitznamen «Buggy». In einem Exklusivgespräch von über einer Stunde hat der General zusammen mit dem Chefredakteur von SHALOM eine gründliche Analyse der Situation erstellt. Die wichtigsten Elemente dieses Gesprächs werden im Folgenden gekürzt wiedergegeben. Bei seinen Erläuterungen stützte er sich auf Zahlen, Karten, Fotos und Statistiken zu den Ereignissen.

Können Sie in wenigen Worten die aktuelle Lage vor Ort erläutern, wie sie sich fast ein Jahr nach dem Ausbruch der neuerlichen Gewaltausbrüche der Araber gegen die Juden präsentiert?

Israel befindet sich im Zentrum eines bewaffneten Konflikts mit der palästinensischen Behörde. Dieser Kampf, der von Yasser Arafat am vergangenen Rosch Haschanah ausgelöst wurde, versetzt uns in eine Situation, in der Gewaltakte und Terroranschläge bewusst gegen israelische Bürger und die Mitglieder unserer Armee verübt werden. Obwohl es zutrifft, dass sich die meisten Attentate in Judäa, Samaria und Gaza abspielen, haben wir doch auch schwerwiegende und sehr grausame Angriffe in Tel Aviv, Nethanyah, Benyaminah, Afulah und Jerusalem miterlebt. All diese Gewalt ist das direkte Ergebnis einer strategischen Entscheidung von Arafat persönlich, der keinen historischen Kompromiss mit Israel eingehen wollte, wie wir uns dies erhofft hatten, als wir uns mit den Osloer Abkommen einverstanden erklärten. Diese sollten jeder Form von Gewalt und allen Forderungen auf beiden Seiten Einhalt gebieten. Als Arafat jedoch den grundlegenden Entscheidungen gegenüberstand, die schmerzhafte Konzessionen erforderten, hat er dem Friedensprozess den Rücken gekehrt und wandte sich bewusst wieder der Brutalität und dem Terrorismus zu. Ziel dieses Vorgehens ist es, Israel mit einer neuen Situation zu konfrontieren und dadurch in Judäa, Samaria und Gaza einen weiteren einseitigen Rückzug der Israelis zu erwirken. Sollte dies nicht erreicht werden, so wäre doch die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft geweckt worden, welche Druck auf Israel ausüben würde, damit der hebräische Staat sich den neuen Forderungen der Palästinenser unterwirft. Natürlich würde niemand von Arafat verlangen, dass er seinen bisherigen Verpflichtungen nachkommt, und er wäre in keiner Weise gehalten die notwendigen Schritte zu unternehmen, um den Konflikt definitiv zu beenden. Denken wir daran, dass er bis heute absolut nichts getan hat, um die gegenwärtig herrschende Gewalt zu stoppen, obwohl es ihm oft möglich gewesen wäre. Nach der ersten Woche des Konflikts beruhigte sich nämlich die Situation vor Ort, bevor in Paris der damalige Ministerpräsident Ehud Barak, Präsident Chirac und Madeleine Albright zusammentrafen. Zu diesem Zeitpunkt hätte er der Gewalt Einhalt gebieten können. Eine zweite Möglichkeit ergab sich in Sharm El Sheikh, als man Arafat mit dem Segen von Barak, Clinton und von König Abdallah alle seine Wünsche erfüllte. Auch da verzichtete er auf eine Beendigung der Brutalitäten. Es gab andere Gelegenheiten, er traf mit israelischen Ministern zusammen, doch es ist ihm nie gelungen, auf Arabisch die Worte auszusprechen, die für die Wiederherstellung der Ruhe erforderlich gewesen wären. Schliesslich brachte er nach der Ermordung 21 junger Juden im Dolphinarium in Tel Aviv unter dem Druck der internationalen Gemeinschaft die Worte heraus, die für die Einstellung der Gewalt notwendig waren. Die Welt wusste, dass wir nach diesem Gemetzel im Recht gewesen wären, mit aller Kraft zurückzuschlagen. Der internationale Druck auf Israel im Hinblick auf eine Politik der Zurückhaltung wurde jedoch immer grösser. Sobald er sich dessen bewusst wurde, verloren seine Aufrufe zur Ruhe ihre Gültigkeit und die Gewalt setzte umso nachhaltiger wieder ein. Später wurden die Tennet-Abkommen durch Arafat unterschrieben und akzeptiert, doch sie wurden bisher nie verwirklicht.
Seit dem Beginn der Gewalttätigkeiten und bis Anfang Juli 2001 verübten die Palästinenser über 6'000 Anschläge jeder Art gegen uns, bei denen 133 Juden ums Leben kamen. Ausserdem zählte man in den fünf Wochen nach den Tennet-Abkommen 500 Terrorakte, an gewissen Tagen kamen wir auf 38 Vorfälle. Überdies wurde während den Maccabiaden anlässlich der Eröffnungszeremonie ein Anschlag geplant, den wir jedoch vereiteln konnten.
All diese terroristischen Machenschaften werden direkt von Arafats eigenem Büro angeordnet, auch wenn die Operationen von verschiedenen Leuten ausgeführt werden. Alle beteiligten Gruppierungen sind Organisationen, die unmittelbar der palästinensischen Autonomiebehörde unterstehen. So sind die berüchtigten Tanzim beispielsweise eine Sektion des Fatah, der in Judäa-Samaria von Marwan Bargoutti geleitet wird, der wiederum direkt Arafat unterstellt ist. Gegen alle Abkommen und alle Gesetze verstossend hat dieser die Tanzim ausgerüstet, die nun blutige Attentate in Israel durchführen. Auch Angehörige des Militärs, die Arafat nahe stehen, wie General Dahlan, haben ab April 2000 Anschläge gegen uns angeordnet! Zu diesem Zeitpunkt haben die Gewalttätigkeiten gegen uns wieder eingesetzt. Sofort nach der Abreise des Papstes Johannes Paulus II im April 2000 begann die PLO die palästinensische Strasse auf eine Konfrontation mit Israel vorzubereiten, d.h. noch vor Camp David II. Doch alle arabischen Terroristengruppierungen, deren Existenz bekannt ist, schlagen denselben Weg ein, sei es nun Hamas oder der islamische Jihad. Was die Force 17 angeht, die Prätorianergarde von Arafat, hat sie zahlreiche Anschläge gegen Juden auf dem Gewissen und hat dabei 10 Israelis getötet. Man muss sich klar machen, dass die von Arafat definierte Strategie sehr raffiniert ist, er spielt auf meisterliche Art mit der Intensität der Gewalt und der Attentate. So gab es vor dem Verbrechen am Dolphinarium alle zwei Tage einen Anschlag, von denen einige Todesopfer forderten, ganz zu schweigen von all jenen, die wir zu verhindern wussten. Ziel dieser Woge der Gewalt war es, die Amerikaner ins Spiel zu bringen, die sich bis dahin zurückgehalten hatten. Nach dem Dolphinarium hat Arafat begriffen, dass er nun etwas leiser treten musste, und von da an beschränkte er sich darauf, die israelischen Zivilpersonen und Soldaten ausschliesslich in Judäa-Samaria-Gaza angreifen zu lassen. Sobald die palästinensische Behörde an diplomatischen Gesprächen beteiligt ist, delegiert sie die terroristischen Aktivitäten an den Hamas oder den islamischen Jihad. Es gibt nämlich eine Art Signalcode mit roten, grünen und orangen Blinklichtern: vor dem Attentat am Dolphinarium war Grün angesagt, sofort danach war es Rot usw. Auf Grün wird das Lichtsignal erst dann wieder gestellt, wenn die Amerikaner die palästinensischen Forderungen ablehnen.
Wie befinden uns folglich in einer Situation, in der die palästinensische Autonomiebehörde der Welt vorgaukeln möchte, dass wir einer echten Intifada gegenüberstehen, einer Revolte des Volkes, in der die Meinung der palästinensischen Öffentlichkeit zum Ausdruck kommt, die es satt hat, «unter der Besetzung zu leiden». Auch wenn es sich um «Besetzung» handelt, so hätte diese doch im Verlauf der seit acht Jahren andauernden Verhandlungen nach den Osloer Verträgen mehrmals beendet werden können. Die PLO versucht ebenfalls, das Bild einer von Kindern und unbewaffneten Zivilisten getragenen Revolte zu vermitteln. Doch dies trifft nicht zu. Alle Veranstaltungen werden von bewaffneten Männern organisiert und begleitet, in der Regel von Angehörigen der Gruppe der Tanzim, die sich diese Demonstrationen zu Nutze machen um zu schiessen, Feuer zu legen usw. Wenn Arafat beispielsweise nach einem Gespräch mit einem israelischen Minister erklärt, er habe den Befehl erteilt die Gewalt in den Zonen A einzustellen, heisst dies im Klartext, dass die Gewalt in den Zonen B und C, die sich unter israelischer Sicherheitskontrolle befinden, weitergeführt wird.
Wir haben es demnach nicht mit einem Aufstand des Volkes zu tun, sondern sind in einen Terroristenkrieg mit einer Terroristenstrategie verwickelt, die von Arafat persönlich geleitet und vollständig kontrolliert wird. In seinen Reden führt er übrigens immer wieder dieselben Argumente an: er behauptet, seine Bevölkerung nicht beeinflussen zu können, da er dazu nicht über die notwendigen Mittel verfüge. Dazu verlangt er nichts weniger als einen Staat mit der Hauptstadt Jerusalem und ein umfassendes Rückkehrrecht für Millionen von Arabern. Man darf dabei nicht ausser acht lassen, dass es sich dabei nicht um einige taktische Überlegungen handelt, sondern um eine Strategie des Terrors, die sich letztendlich politisch auszahlen soll.

Glauben Sie, dass die internationale Gemeinschaft die Situation ebenso beurteilt wie Sie jetzt?

Leider nein. Viele sind der Ansicht, dass wir uns in einem Machtspiel zwischen Besatzer und Besetzten befinden, bei dem die Araber die schwachen Opfer sind. Für sie wird es nur dank erneuten einseitigen Zugeständnissen Israels möglich sein, die Situation zu verändern. Dazu muss man sagen, dass unsere Regierung bis zum Ausbruch der Gewalttätigkeiten eine sehr araberfreundliche Politik verfolgte, die sehr grosszügige Konzessionen vorsah, zu denen Israel bereit war. Heute wird jede Geste der Besänftigung als ein Zeichen von Schwäche gedeutet und bewirkt eine noch stärkere Auflehnung. Auf der anderen Seite leuchtet es ein, dass Gewalt zu noch mehr Gewalt führt und dass Israel sich allmählich in einer inakzeptablen Lage befindet, was zu einem Nachgeben in bestimmten Punkten führen könnte, was undenkbar ist.

Was unternehmen Sie konkret vor Ort, was können Sie tun?

Die Armee reagiert mit Nachdruck auf die Gewalt, doch zur Zeit hat die Regierung den Befehl zu einer grossangelegten Operation nicht erteilt. Man muss verstehen, dass ein forsches und weitreichendes Vorgehen von der Welt und sogar von der israelischen Öffentlichkeit sehr schlecht aufgenommen würde. Doch dies ist nicht der einzige Grund für die gegenwärtige Politik der Zurückhaltung. Es besteht nämlich auch kein Zweifel daran, dass eine derartige Aktion einen extrem aggressiven und mörderischen Gegenschlag gegenüber Israel auslösen würde. Natürlich verfügt die Armee aber über die Mittel, um eine solche Operation durchzuführen, und vom militärischen Standpunkt aus wäre es recht einfach, die im Rahmen der Osloer Verträge evakuierten Zonen wieder zu besetzen. Es stellt sich aber die Frage, welches Vorgehen das beste für den Staat Israel wäre, denn man sollte sich nicht unüberlegt in ein derartiges Unterfangen stürzen. Zum jetzigen Zeitpunkt weiss ich nicht, was geschehen wird, doch es gibt Situationen, in denen Israel gezwungen ist Entscheidungen zu treffen, die auch umfassende und massive militärische Aktionen beinhalten. Unsere Priorität besteht derzeit darin den Terrorismus zu bekämpfen; dies bedeutet, wir müssen jede Person aufhalten, die sich gegen uns richtet. Seit dem Beginn der Feindseligkeiten haben wir über tausend Terroristen verhaftet, doch es gibt auch jene, denen wir nichts anhaben können, weil sie in den Zonen A leben, die vollständig der Kontrolle der palästinensischen Behörde unterstellt sind. Bei den Treffen zum Thema Sicherheit mit den Vertretern dieser Behörde geben wir ihnen Listen mit den Namen der Personen, von denen wir wissen, dass sie als Terroristen aktiv sind, und wir verlangen ihre Verhaftung. Diese findet aber nie statt. Die Situation ist in Wirklichkeit dramatisch, und dazu möchte ich zwei Beispiele geben. Vor dem Attentat von Benyaminah hatten wir den Palästinensern die Namen von Personen angegeben, die in Jenin leben und in Israel einen Terroranschlag vorbereiteten, weshalb wir sie verhaften lassen wollten. Niemand hat sie behelligt und sie haben das besagte Verbrechen ausgeführt. Gleichzeitig wurde ein Mitglied der Tanzim, das in Toulkarem wohnt, von der palästinensischen Behörde offiziell verhaftet, zumindest konnte man dies einem offiziellen Bericht entnehmen, den sie den Amerikanern zukommen liess. In den drei Tagen nach seiner Verhaftung verübte er vier Angriffe mit dem Maschinengewehr auf israelische Fahrzeuge. Wenn Arafats Leute einen Terroristen verhaften, wollen sie ihn dadurch nämlich nicht am Handeln hindern, sondern ihn einfach vor Israel schützen. Früher haben wir die Gefängnistore der PLO als «Drehtüren» bezeichnet, heute haben diese Einrichtungen gar keine Türen mehr. Folglich haben wir manchmal und zu unserem eigenen Schutz keine andere Wahl und müssen diese terroristischen Elemente physisch eliminieren, bevor sie zur Tat schreiten können. So haben wir am Abend vor der Schlusszeremonie der Maccabiaden erfahren, dass die Mitglieder einer Terroristenzelle des Hamas sich in Bethlehem alle in demselben Raum befanden. Sie bereiteten ein grösseres Attentat inmitten der Zuschauer vor, die zur Feier eingeladen worden waren. Stellen Sie sich einen Augenblick die Folgen einer Explosion mitten in einem dichtgedrängten Publikum vor: es hätte eine schrecklich hohe Zahl von Toten und Verletzten gegeben. Wir haben sie also mit einem Helikopterangriff eliminiert und vier von ihnen getötet, um ein entsetzliches Attentat zu verhindern.

Kann man diese Art von Operation nicht schlicht und einfach als Mord bezeichnen?

Nicht im geringsten, es handelt sich auch nicht um Todesurteile ohne Gerichtsverhandlung, denn wir würden sie ja gerne verhaften und vor Gericht stellen. Es sind auch keine Racheakte für Terroranschläge, die jemand vor fünf oder zehn Jahren in Israel verübt hat, es sind präventive Sicherheitsmassnahmen. Wenn wir sie nicht verhaften, wenn wir sie nicht töten, werden sie Attentate durchführen, in denen unzählige unserer Mitbürger sterben oder verletzt werden. Diese Art des Vorgehens ist moralisch vertretbar und entspricht in jeder Hinsicht der internationalen Gesetzgebung zur Prävention. Daher verstehen wir nicht, was uns die Welt vorwirft und warum man den Begriff «Mord» verwendet. Sollen wir tatenlos zusehen, wie der Terrorismus ungestraft in unserem Land wütet?
Auf dem Terrain führen wir eine Reihe von militärischen Präventivaktionen durch, die nicht auf die physische Eliminierung der Terroristen abzielen. So haben wir beispielsweise vier Schiffe aufgehalten, auf denen Waffen aus dem Libanon nach Gaza transportiert wurden. Durch den Kauf dieser Waffen von Ahmed Jibril hat Arafat die Osloer Abkommen eindeutig verletzt. Die palästinensische Autonomiebehörde versucht mit allen Mitteln Waffen einzuführen, zu denen sie nicht berechtigt ist, und vor kurzem wurde eine derartige Ladung von den jordanischen Streitkräften entdeckt, die somit ihre Einfuhr in die Zone A verhindert haben. Den Helikopter, das Flugzeug und das Auto von Arafat können wir aber absolut nicht kontrollieren, und wir hegen den Verdacht, dass diese Fahrzeuge dem Transport illegaler Waffen dienen. Als wir unmittelbar nach dem blutigen Attentat von Nethanyah eine «chirurgische» Operation mit unseren F-16 durchgeführt haben, empfand die restliche Welt dies als Riesenskandal, bezeichnete es als eine einseitige Eskalation israelischer Gewalt usw. Es wurde aber keine einzige palästinensische Zivilperson getroffen, wir haben nur das Notwendige unternommen, um eine Reihe von Terroristenzellen zu vernichten, einschliesslich gewisser Personen, die sich im Kreise der engsten Vertrauten von Arafat aufhielten; damit wollten wir einzig und allein weitere Anschläge mit Todesopfern verhindern. Trotz dieser Schwierigkeiten setzen wir alles daran, um schon durch Prävention unseren Mitbürgern eine maximale Sicherheit zu gewährleisten, damit das Leben ganz normal weitergehen kann. Kein anderer Staat würde dabei anders vorgehen.

Was unternehmen Sie konkret, um einerseits die arabische Bevölkerung zu kontrollieren, die in Israel arbeitet, und andererseits die Sicherheit aller israelischer Bürger zu garantieren? Sie können doch nicht jeden Araber, der sich an seinen Arbeitsplatz begibt, polizeilich beaufsichtigen lassen!

Es ist nicht unser Ziel, die palästinensischen Bürger zu behelligen, denn mit dieser Bevölkerung befinden wir uns ja nicht im Krieg, und ausserdem schiessen wir auch nicht auf jeden Palästinenser, den wir sehen. Als ich militärischer Verantwortlicher für Judäa-Samaria war, bestand meine Politik immer darin, das Leben der Palästinenser zu erleichtern, ihnen das Arbeiten und eine ungehinderte Anreise zu ihrem Arbeitsplatz zu ermöglichen. Bis im September 2000 konnte ein Araber sich von Jenin nach Hebron begeben, ohne auf eine einzige Strassensperre zu stossen, und über 120'000 Palästinenser fuhren täglich in israelische Unternehmen. Dies machte die wichtigste Einkommensquelle der palästinensischen Behörde aus. Seit der Wiederaufnahme der arabischen Gewalttätigkeiten mussten wir diese Situation beenden, wir haben aber versucht einen Weg zu finden, damit die meisten von ihnen immer noch zu uns arbeiten kommen können, ohne jedoch dadurch unsere Sicherheit zu gefährden. So haben wir den über 35-Jährigen eine Genehmigung erteilt, die noch nie aus Sicherheitsgründen verhaftet worden waren. Unter ihnen befand sich auch der Busfahrer von Egged, der seinen Bus in eine Gruppe von Menschen gesteuert hat, die an der Haltestelle warteten, und die meisten von ihnen tötete. Auf diese Weise hat er 8 Menschen umgebracht. Während der Untersuchung hat er seine Tat folgendermassen erklärt: «Wegen der allgemeinen Situation habe ich vier Monate zu Hause verbracht, vor dem Fernsehprogramm der palästinensischen Behörde. Ich habe gesehen, wie ihr, die Israelis, Kinder ermordet und welche Gewalttaten ihr gegen uns verübt. Ich habe beschlossen, es sei meine Pflicht, möglichst viele Israelis zu töten um meinem Volk zu helfen.» Man muss sich im Klaren sein, was diese Aussage wirklich bedeutet. Seit der Unterzeichnung der Osloer Abkommen besteht die Politik des palästinensischen Fernsehens darin, mit Hilfe von Lügen über unsere Tätigkeit zur Gewalt aufzurufen. In gewisser Weise ist die Reaktion des Busfahrers also durchaus verständlich. Während jeder Sitzung, die wir mit Vertretern der PLO abhalten, bitten wir sie diese Aufrufe und Lügengeschichten einzustellen. Doch dies ist gar nicht möglich, denn es sind die Lügen, die Arafat persönlich verbreitet. Es wäre auch sinnlos, die Sendungen zu verbieten, denn sie würden aus einem anderen arabischen Land um so intensiver ausgestrahlt werden. Im Zeitalter von Internet ist es illusorisch irgendeine Form von Zensur oder Kontrolle einführen zu wollen.

Es leuchtet ein, dass Sie vor Ort beschlossen haben eine Reihe von vernünftigen militärischen Operationen durchzuführen, um dadurch den Schutz der israelischen Bürger zu gewährleisten. Gleichzeitig finden aber immer noch Anschläge statt, und in Judäa-Samaria-Gaza macht die Bevölkerung schlimme Zeiten durch. Wie lange wird sie noch mit dieser Anspannung leben und sich in gepanzerten Fahrzeugen fortbewegen wollen?

Es steht ausser Zweifel, dass die israelischen Einwohner dieser Regionen am meisten unter der Situation leiden. Ihre Wagen und ihre Dörfer werden täglich aufs Neue angegriffen. Unserer Meinung nach muss alles unternommen werden, damit diese Bevölkerungsgruppe den grössten Schutz geniesst. Die öffentlichen Transportmittel sind gepanzert, die Privatautos jedoch nicht, was sowieso unmöglich wäre. Wir haben ein Programm erstellt, damit diese Regionen immer mehr gepanzerte Fahrzeuge erhält, Geländewagen, Lastwagen für den Transport lebensnotwendiger Güter und Nahrungsmittel, Krankenwagen usw.

Vor etwas mehr als einem Jahr hat sich die israelische Armee überstürzt aus dem Südlibanon zurückgezogen, und seither haben sich die Streitkräfte des Hisbollah direkt an der Grenze zu Israel niedergelassen, unmittelbar an den Stacheldrahtlinien. Wie beurteilen Sie die heutige Situation vor Ort und wie wird sie sich Ihrer Ansicht nach entwickeln?

Wer geglaubt hatte, der Hisbollah würde nach unserem Rückzug aus dem Libanon auf seine Gewalttaten uns gegenüber verzichten, hat sich getäuscht. Wir hatten nie die Absicht, uns im Libanon niederzulassen, alle unsere militärischen Operationen in diesem Land, sowohl in Bezug auf den Krieg von 1982 als auch im Hinblick auf die Errichtung einer Sicherheitszone, sollten einzig und allein unsere Bevölkerung im Norden des Landes schützen. Es ist eine Tatsache, dass wir uns im Mai 2000 unilateral zurückgezogen haben und dass sich danach nicht die libanesische Armee an der Grenze aufgestellt hat, sondern der Hisbollah. Wir haben keine Probleme mit dem Libanon, kennen aber ernsthafte Konflikte mit Syrien. Sie benutzen nämlich dieses Land als Stützpunkt für ihre gegen uns gerichtete Aktionen, um sich für unsere Präsenz auf den Golanhöhen zu rächen. Aus diesem Grund hat es Syrien nicht zugelassen, dass die libanesische Armee im Südlibanon Stellung bezieht, sondern hat den pro-iranischen Hisbollah dort installiert. Interessanterweise hat sich weltweit keine einzige Stimme erhoben um gegen die Tatsache zu protestieren, dass eine ganze Region eines unabhängigen Staates von einer völlig fremden terroristischen Streitmacht besetzt wird. Unter syrischer Kontrolle richtet der Hisbollah unaufhörlich terroristische Angriffe gegen uns und entführt Menschen, doch niemand lehnt sich dagegen auf. Es trifft zu, dass der Libanon keine wirklich unabhängiges Land ist und ausserdem auch nicht der UNO angehört. Bis heute hat der Hisbollah 8 Attentate gegen uns durchgeführt, von denen einige leider Todesopfer forderten. Seit dem 7. Oktober 2000 haben wir unsere täglichen Flüge über den Libanon wieder aufgenommen. Zweimal haben wir syrische Anlagen im Libanon angegriffen, um sie daran zu erinnern, wer für die gegenwärtige Situation in dieser Region verantwortlich ist. Bis heute hat sich der Libanon nicht an die Bestimmungen der UNO-Resolution 425 gehalten, in der verlangt wird, dass die libanesische Armee den Südlibanon kontrolliert. Darüber hinaus haben Syrien und der Hisbollah als Entschuldigung für die Aufrechterhaltung der Gewalt in dieser Gegend die Geschichte mit der Enklave von Schaaba erfunden, die angeblich dem Libanon gehört. In Wirklichkeit handelt es sich um einen falschen Vorwand, um die Gewalt gegen uns zu rechtfertigen. Es weist alles darauf hin, dass Syrien kein Interesse daran hat, eine Verschlechterung der Situation herbeizuführen; sollte sie sich jedoch den Palästinensern gegenüber verschlimmern, ist es nicht ausgeschlossen, dass der Hisbollah massive und gewalttätige Angriffe gegen uns beschliesst. Eines steht fest: wie auch immer sich die Lage entwickeln wird, wir sind auf alles und auf jede noch so gravierende Situation vorbereitet, trotz der riesigen Menge an iranischem Waffenmaterial, über das der Hisbollah verfügt. Sollte es die Situation erfordern, werden wir ohne zu zögern in den Südlibanon zurückkehren. Doch so weit ist es nicht.

Zwischen der Front im Norden einerseits und Judäa-Samaria-Gaza andererseits scheint die Lage ziemlich explosiv zu sein. Wie sieht die Zukunft aus?

Es gibt heute zwei Personen, die im Mittleren Osten mit dem Feuer spielen: Arafat hat das Feuer entfacht und freut sich nun an den züngelnden Flammen, und Hassan Nasarallah vom Hisbollah zündet alle paar Wochen ein Zündholz an, indem er ab und zu ein Attentat veranlasst. Beide Elemente sind extrem gefährlich und können im Mittleren Osten eine grössere Explosion bewirken. Leider ist sich die Welt der Gefahr nicht bewusst, die von den Machenschaften Arafats ausgehen und unternimmt nichts, um ihm zu verstehen zu geben, dass derjenige, der auf die Gewalt setzt, sein Ziel nie erreichen wird. Dies wäre aber die einzige Möglichkeit, der Gewalt endgültig Einhalt zu gebieten, und diesen politischen Schritt muss die Welt jetzt unternehmen.
Man muss sich klar machen, dass Arafat der Meinung war, die israelische Gesellschaft sei schwach und zerstritten, was – welche Überraschung – nicht der Fall ist. Er war überzeugt, in Israel würden sich nach einigen Attentaten Stimmen erheben, die sich für eine Rückkehr zur Politik der einseitigen Zugeständnisse aussprechen würden. Auch dies trat nicht ein. In der schwierigen gegenwärtigen Situation hat die israelische Gesellschaft begriffen, dass sie nicht nachgeben durfte und dass jede einseitige Konzession den Anfang vom Ende für den Staat bedeutet. Die Israelis können standhalten, doch leider schafft es die internationale Gemeinschaft nicht Arafat zu sagen, er solle der Gewalt ein Ende setzen. In dieser Situation sind wir leider gezwungen auf die Gewalt zu reagieren, die in der nächsten Zeit, so denke ich, sicher nicht aufhören wird.

Können Sie uns abschliessend sagen, ob Sie zuversichtlich und optimistisch sind oder ob eine Verschlimmerung der Situation in Ihren Augen unvermeidlich erscheint?

Die israelische Armee ist schlagkräftig, wie auch das israelische Volk. Wenn man uns angreift, wissen wir, wie wir reagieren müssen und wie wir sowohl auf militärischer als auch auf moralischer und nationaler Ebene Stärke und Zusammenhalt zeigen können. Wir haben aber keine Wahl, wir müssen unbedingt gewinnen. Unser Sieg setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen: Armee, Politik, Diplomatie und Unterstützung des gesamten weltweiten Judentums.


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